10. Januar 2008

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Ihr meine lieben Freunde,

Heute möchte ich euch einmal wieder ein paar Sätze schreiben.

Ich bin dankbar, dass ihr nicht darauf besteht, dass ich auf jede eurer so lieben Briefe und Gästebucheinträge antworte.  Ich habe immer noch nicht sehr viele Zeiten am Tag, in denen ich genug Kraft habe, etwas Konzentriertes zu tun. Und im Moment sind die Zeiten, in denen ich besser an die frische Luft gehe, für meinen Zustand wichtiger. Deshalb bitte ich euch nochmals um Verständnis, dass viele von euch schreiben, aber keine persönliche Antwort bekommen. Bitte nehmt auch dieses Schreiben als eine Antwort. 
Ich hatte eine schöne Zeit über Weihnachten zu Hause. Und die Chemo danach lief auch recht gut. Es wird in den nächsten Wochen darauf ankommen, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden, wie es weitergeht. Doch was immer Ärzte oder auch wir entscheiden – es liegt letztendlich in Gottes Hand.
Vielleicht wundert ihr euch manchmal über die vielen fröhlichen und manchmal auch verrückten Bilder auf der HP.  In der Tat geht es bei uns oft sehr fröhlich zu. Das ist ein großes Geschenk und ich sehe das als Antwort auf eure vielen Gebete.
Mir ist klar, dass es auch jetzt noch schwere Zeiten geben kann und wird. Doch was immer auch geschieht, ich habe nach wie vor großen Frieden über allem, was Gott tut.
Es gibt auch jetzt Tage, an denen ich nicht so fröhlich dreinschaue. Da fühlt sich dann mein Vater meist nicht so gedrängt, Fotos von mir zu machen… ( - wen wunderts? Und wer von euch wollte schon unbedingt eine Puschel sehen, die von Schmerz oder Übelkeit grad geplagt wird…??? Also, es ist nicht immer so. Dennoch bin ich dankbar und froh über jeden Tag, den Gott schenkt. Und ich freue mich über jeden, der für mich betet. Allerdings solltet ihr alle, die ihr für mich betet, auch glauben, dass Gott eure Gebete erhört. Unser himmlischer Vater ist allezeit bei mir, auch wenn ich Chemo kriege und körperlich völlig am Ende bin.

Jetzt möchte ich euch einfach ein paar Gedanken über einen meiner Lieblingsverse aus dem AT weitergeben. Mein Vater hat sie während eines Gespräches aufgeschrieben, als wir darüber gesprochen  haben. Es ist das Wort aus Jesaja 41, Vers 10 : 
Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch,  ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Fürchte dich nicht - das ein Auftrag;  viel mehr ein Befehl als eine einfache Aussage oder auch Zusage. Es ist das, was Gott von uns will. Es ist wenn man so will, ein Gebot. Denn wenn du dich fürchtest, machst du mich, den ewigen Gott kleiner. Darum sollst du dich nicht fürchten.
Ich denke an so viele Situationen, die ich erlebe, die wir alle erleben. Wie oft sind Furcht, Angst oder Entsetzen die erste und fast immer verständliche Reaktion?!
Aber gegen alle unsere Ängste dürfen, ja sollen wir Gott vertrauen, sollen wir uns nicht fürchten.
Aber dies ist nicht einfach die Aufforderung, vorhandene Gründe für meine Angst zu ignorieren, sozusagen eine Durchhalteparole nach dem Motto: Es wird schon werden oder: es wird schon alles nicht so schlimm sein, wie es im Moment scheint. Nein, der Grund für das „Fürchte dich nicht“ liegt in Gott und seiner Gegenwart:
„Denn ich bin bei dir“
  - es kommt also nicht auf die Situation an, wie schlimm die ist…
Es kommt auf IHN an! „Gott ist da, er ist uns unbegreiflich nah“, heißt es in einem Lied.
Dass Gott bei mir ist, ist nicht einmal eine Zusage, sondern die Feststellung einer Tatsache.
Die aber ist nicht einmal abhängig davon, ob wir sie akzeptieren oder nicht. Wir können sie ignorieren oder wegwischen. Aber wir können sie auch als Geschenk sehen.
Gott ist bei mir. Wenn ich ihn nicht will, dann lässt er sich ins Abseits schieben. Er drängt sich nicht auf. Aber wenn ich will, dann habe ich das größte Potential zur Verfügung, das es gibt – den ewigen großen Schöpfergott.
Ich denke dabei auch an Petrus, der vor Jesus auf dem Wasser steht, zu ihm hin will, aber Angst vor den Wellen bekommt. „Die zum Herrn aufschauen, werden strahlen vor Freude, und ihr Vertrauen wird nie enttäuscht.“ (Psalm 34,6)

Es geht um die Blickrichtung meines Lebens. Wenn ich nur auf die Probleme schaue, dann werden sie mich übermannen. Doch manchmal ist es gut, die Dinge von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Wenn ich auf einem hohen Berg stehe, dann sehen die kleinen Dinge der Straße völlig anders aus, als unten auf der Straße…. Aber ich bin eben nicht immer oben auf dem Berg. Und wenn ich im Gewühl der Straße da unten bin? Und keinen Horizont mehr sehe? Dann ist diese Tatsache unglaublich wertvoll: „Denn ich bin bei dir“. ER, der den Überblick hat, ist bei mir im Gewühl des Lebens. ER ist da, wenn alles drunter und drüber geht. Und ER weiß, was hinter der nächsten Kurve kommt!!
 

Weiche nicht – wenn ich so mit Gott gehe, dann kann ich vor Menschen fest stehen und getrost in die Zukunft schauen. Und da ist es egal, wie die Zukunft mir im Augenblick erscheint, denn ER hat sie in seiner Hand. Immer stehe ich vor Gott und der Welt. Ich stehe hier in SEINEM Auftrag, in Seiner Mission. Er will, dass ich hier stehe.  Denn ER hat mich hierher gestellt! Und Er will, dass ich hier stehe als sein Kind, das Zeugnis SEINER Größe gibt: Schaut her, welch großen Vater ich habe! Er freut sich, wenn ich standhaft bin. Gott will, dass ich auch in schwierigen Situationen aushalte und stehenbleibe. Es ist dieselbe Sache gemeint, die im NT, also im Griechischen mit Geduld (hypomoné =„Geduld“ – wörtlich übersetzt – habe ich mir von meinem Vater sagen lassen… - „darunterbleiben“,  also nicht einfach wegrennen aus einer Situation, sondern unter seinem Auftrag bleiben).
In dieser Situation befinde ich mich halt gerade: Ich habe gerade geduldig zu sein, „darunter zu bleiben“, nicht zu weichen, sondern „auf IHN“ zu schauen. Und es ist wunderbar, dass ihr mir mit euren Gebeten dabei helft. Es ist wunderbar, wenn wir als Gemeinde genau hier zusammenstehen und uns stärken. Wenn wir uns immer wieder auf den hinweisen, der dann sagt: Denn ich bin dein Gott:

Wenn hier stehen würde: Ich bin Gott, dann müssten wir uns vielleicht sogar vor Gott fürchten. So aber ist er mein Gott, und deshalb ist er bei mir. Er will ja sogar mein Vater sein, der nur das Beste für sein Kind will. Dass das geht, setzt voraus, dass ich sein Kind bin und auch sein will.

Ich stärke dich – das kann körperliche Stärke sein, wird aber vor allem auf die Beziehung zu ihm, auf unser Vertrauen bezogen sein. Er will meinen Glauben, mein Vertrauen zu IHM stärken. Und das macht mich dann im Leben in dieser Welt stark. Ich stärke dich, wenn die Knie schlottern. Ich gebe dir Halt, wenn der Boden unter deinen Füßen wankt.

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Ich helfe dir auch – im Englischen heißt es dort sogar: Ganz sicher werde ich dir helfen. Das ist keine vage Sache, wo man mal hoffen kann. Sondern es ist eine feste Zusage des Gottes, der all das vorige auch schon festgestellt hast. Hier ist die Hand, von der er dann spricht, bereits zu sehen.
Denn dort heißt es weiter:
Mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich – siegreich ist die Hand des Gerechten. Die Hand Gottes ist immer auch die der Gerechtigkeit und Treue und Liebe, die mich hält. Es ist die Hand des Gottes, der alles in der Hand hält und die Siegreiche ist, die einzig Siegreiche!! Es ist die Hand des Ewigen, dessen, der alle Möglichkeiten hat!
Mit einem Mal verliert eine tödliche Bedrohung ihren tödlichen Schrecken, auch eine so schwere Krebskrankheit. Denn ich bin ja in seiner Hand. Und wenn ER will, dann heilt ER mich. Und wenn ER das nicht will, dann bin ich bei IHM in der Ewigkeit.
Ich halte dich durch die rechte Hand der Gerechtigkeit – es ist die starke Hand, es ist die richtige Hand. Es ist die Hand der Gerechtigkeit Gottes. Es ist aber auch die Hand der Liebe, die in Jesus der Gerechtigkeit Genüge getan hat. Das alles Entscheidende ist, dass wir diese Hand festhalten.
Nicht, um nicht aus der Verbindung heraus zu fallen denn ER hält mich ja, sondern, um IHM zu zeigen: Ich will nicht loslassen
ER hält immer fest.  Es kommt also nicht auf meine Kraft an, sondern auf SEINE! Er hält mich, nur ich muss es wollen. Deshalb mein JA. Deshalb mein Gebet. Deshalb meine Hand, die ich IHM entgegenstrecke!
Ich denke zum Schluss an Salvador, einen kleinen Jungen aus „La Casa de mi Padre“, der reflexartig immer wieder Kinderhände abgelehnt hat, wenn er Halt zum Laufen brauchte. Die Hand eines Erwachsenen hat er gern genommen, doch auch da hat er sich ausgesucht, welche die richtige ist.
Wir sollen schon schauen, welche Hand die richtige ist. Und von diesem Jesajavers her meine ich, dass dies allein Gottes Hand der Gerechtigkeit sein kann. Denn welche sonst sollte mir einen Halt geben können, der über alle Stürme hinweg Bestand hat?

Das ist meine eigentliche Kraft in diesen Monaten. Und Ihr helft mir so sehr, dass diese Kraft immer wieder in meinem Leben, in meinem Körper, in meinem Gemüt (und dann auch manchmal auf den Fotos…) sichtbar und wirksam wird. Dafür danke ich Gott. Und dafür danke ich euch allen!

Ich wünsche euch und uns allen ein von IHM erfülltes und wirklich gesegnetes Jahr 2008.

Die Losung an meinem Geburtstag (am 27. Mai 1983!) war:

Psalm 16,8: Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich festbleiben.

Phil 1,19: denn ich weiß, daß mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi,

PuschelNov2010344
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Hier kommt
Puschel selbst
zu Wort!!

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